Kastanienminiermotte

Kastanienminiermotte - neu eingewanderter Schädling der Rosskastanien

Wenn in Gärten, Parks und Alleen schon im Sommer die Kastanienbäume nur noch braune Blätter tragen und bereits große Teile ihres Laubs abgeworfen haben, dann ist dieser traurige Anblick in den meisten Fällen auf das Wirken der Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella) zurückzuführen. Die 0,5 bis 0,7 cm große Kastanienminiermotte ist orange-bräunlich gefärbt, mit weiß-schwarzer Bänderung der Vorderflügel und besitzt neben federartig endenden Hinterflügeln auch auffallend lange Hinterbeine und ebensolche, geringelten Fühler.

Die Kastanienminiermotte ist noch nicht lange in Mitteleuropa anzutreffen: 1984 wurde sie erstmals in Mazedonien nachgewiesen, ab 1989 in Österreich, danach verbreitete sich die Kastanienminiermotte über Italien und Deutschland.

Lebenszyklus der Kastanienminiermotte

Die Schädigung der Bäume erfolgt durch drei, in günstigen Jahren sogar vier Generationen der Kastanienminiermotte: Mitte April bis Mai, während der Kastanienblüte, schlüpft die Kastanienminiermotte der ersten Generation aus den überwinterten Puppen. Die Weibchen der Kastanienminiermotte legen ihre abgeplatteten Eier auf der Oberseite der Kastanienblätter ab. Nach zwei Wochen schlüpfen die Raupen der Kastanienminiermotte und fressen im Blatt einen erst strichförmigen, später rund erweiterten Gang. Nach der Verpuppung fliegt bald die zweite Generation der Kastanienminiermotte im Juli.

Erneute Eiablage, Larven und Verpuppung und die dritte Generation der Kastanienminiermotte fliegt dann ab Mitte August, eventuell noch eine vierte im September. Die letzten Puppen der Kastanienminiermotte bleiben im Blatt und überdauern sechs Monate im verrottenden Laub bzw. im Boden.

Schäden durch die Kastanienminiermotte

Die von den Raupen der Kastanienminiermotte gefressenen Gänge, die Minen, finden sich vor allem in den unteren Blättern der Kastanien, und zwar bis zu 30 pro Blatt. Zunächst verfärben sich diese Gänge braun, dann welken die Blätter und verfärben sich, ehe sie schon im Sommer abfallen. Das führt zu einer Schwächung der Bäume, insbesondere bei starken Befall mit der Kastanienminiermotte über mehrere Jahre.

Bekämpfung der Kastanienminiermotte

Als Neueinwanderer hat die Kastanienminiermotte hierzulande keine nennenswerten natürlichen Feinde, die ihre weitere Ausbreitung eindämmen könnten. Neben der chemischen Bekämpfung kurz vor der Kastanienblüte ist vor allem das Sammeln und Vernichten des Falllaubs die wesentliche Maßnahme zur Eindämmung des weiteren Befalls mit der Kastanienminiermotte im Folgejahr. Dabei ist ein einfaches Kompostieren des Laubs nicht ausreichend, da zur Zerstörung der Puppen der Kastanienminiermotte höhere Temperaturen nötig sind, beispielsweise durch Verbrennen der Blätter oder auch Heißkompostierung in Kompostieranlagen.

Bei Neuanpflanzungen sollte man die widerstandsfähigere rot blühende Kastanienart (Aesculus carnea) wählen, da die Larven der Kastanienminiermotte in ihren Blättern absterben, anders als bei der weiß blühenden Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), sodass der Baum grün bleibt.